Erinnerungen an Ingeborg Marienfeld

Wir möchten erinnern an Ingeborg Marienfeld, die am 3. Juni 2026 im Alter von 92 Jahren in Stuttgart gestorben ist. Zusammen mit ihrem Mann Dieter lebte und arbeitete sie seit 1987 auf der SEKEM-Farm, bis sie aufgrund einer Erkrankung im Herbst 2023 nach Deutschland zurückkehrte.

Als eine der ersten europäischen Mitarbeiterinnen trug sie die Idee der ganzheitlichen Entwicklung mit und stellte sich und ihre Arbeit in den Dienst an der gemeinsamen Sache. Dabei konnte sie zu diesem Zeitpunkt schon auf ein erfülltes Leben mit zwei erwachsenen Kindern in Deutschland zurückschauen.

Pflege von Körper und Seele

Ihre beruflichen Kenntnisse als Masseurin, auch in rhythmischer Massage, und als medizinische Bademeisterin und ihr großes Interesse und Verständnis für medizinische Themen machten sie zu einer treu sorgenden Krankenschwester für alle Mitarbeitenden und besonders für die Schülerinnen und Schüler der SEKEM-Schulen. Schon lange bevor es das Medical Center auf der SEKEM Farm gab, unterstützte sie Dr. Hans Werner (Mitbegründer des Vereins der SEKEM-Freunde), wenn er bei seinen Besuchen Sprechstunden anbot. Sie selbst richtete für die SEKEM-Mitarbeiter und auch in der Schule eine tägliche Sprechstunde ein, um die vielen kleineren Beschwerden und Sorgen der Kinder zu lindern. Und man konnte beobachten, wie wertvoll dies war: einige Schüler schauten täglich in der „Ayyeda“ vorbei, um sich ihre wohltuende Aufmerksamkeit zu sichern. Für manch einen schien dies sogar wichtiger zu sein als Medikament oder Verband.

Im Medical Center engagierte Inge sich besonders in den ersten Jahren, um sinnvolle, gute Abläufe ins Leben zu bringen und den Mitarbeitenden sorgfältige, qualitative und einfühlsame Arbeitsweisen beizubringen.

Hier zeigte sich ganz deutlich ein zweites großes Thema ihres Lebens: Qualität und Schönheit waren ihr ein großes Anliegen auch wegen ihrer wohltuenden Wirkung auf den Menschen. Das zeigte sich auch, wenn sie immer wieder die Betreuung der vielen Gäste auf der SEKEM-Farm übernahm: liebevoll richtete sie die Zimmer her, immer fand sie Blumen als Zimmerschmuck und ihre interessierte, zugewandte Art trug dazu bei, dass die Gäste sich sofort willkommen fühlten.

Interessiert und weltoffen

Ihre Neugier und Weltoffenheit haben sicherlich möglich gemacht, dass sie überhaupt erst in so ein fremdes Land wie Ägypten zog, hörten aber mit diesem großen Schritt nicht auf: jeder Gast und seine Erfahrungen und Kenntnisse waren ihr interessant, jeden Vortrag wollte sie ganz genau verstehen – und in SEKEM bot sich dazu reichlich Gelegenheit. Sie stand Neuem interessiert und  offen gegenüber uns sprang deshalb auch gerne bei neuen Aufgaben ein: in der SEKEM-Schule waren in den ersten Schuljahren ihre Tafelbilder für die Unterstufe eine große Bereicherung und sie unterstützte und ermutigte die ersten Lehrer und Lehrerinnen, sich auch in dieser Kunst zu üben.

Nicht alle Qualitätsparameter sind messbar

Inge Marienfeld hat in SEKEM in mehr als 35 Jahren unzählige Frauen ausgebildet, zuerst in der “Nähstube”, wo sie viele Stofftiere und Puppen entworfen hat, dann im Medical Centre, und später in Naturetex, wo sie besonders in der letzten Qualitätskontrolle der Puppen und Tiere immer wieder gezeigt hat, wie Qualität und Schönheit zusammenhängen. Sie hat den Mitarbeiterinnen beigebracht, dass man nicht alle Qualitätsparameter messen und wiegen kann, sondern dass es auch um Schönheit, Ebenmaß und Symmetrie geht. Dabei war sie durchaus bestimmend und nicht immer geduldig, was in so einem großen Betrieb mit vielen jugendlichen Mitarbeiterinnen vielleicht auch dazu beitrug, dass man ihr großen Respekt entgegenbrachte. Bis zuletzt im hohen Alter ging sie täglich in „ihre“ Puppennäherei und wurde dort herzlich empfangen.

In den letzten Jahren war sie auf Pflege durch ihre Familie angewiesen, nachdem sie so lange die gute Seele war, die alle, Menschen und die Umgebung, gepflegt hatte. Wir werden ihr Andenken liebevoll in Erinnerung halten und sie sehr vermissen.